12. August 2010

Von Wölfen und Schafen

Es gibt Sachen, die man morgens ohne Koffein und auf leeren Magen einfach nicht verträgt. Zum Beispiel die Nachricht "Mer händ de wolf abgschosse, im fall!!!!!". Man stelle sich mal vor: Ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeit hatte es noch überall Wölfe. Der stramme Eidgenoss schützte damals auch seine Herden ein wenig besser, indem er vielleicht einen oder zwei Hunde zur Bewachung einsetzte. Damals waren es, wohlgemerkt, noch ganze Wolfrudel, die das Land durchstreiften. Wenn allerdings in der heutigen Schweiz zwei (!) Wölfe ein paar Schafe/Rinder etc. reissen, weil deren Halter unfähig sind, ihre Tiere gegen zwei menschenscheue Wölfe, die sich beim Geruch von Hunden schon wieder verziehen, so sagt uns das einiges über den Zustand dieses Landes bzw. seiner Bürger. Einerseits will der moderne Schweizer Bergbauer gute, frische Alpenmilch (oder Lammfleisch aus Schweizer Bergen etc.) verkaufen, ist andererseits aber nicht mehr in der Lage, seine Tiere gegen zwei Wölfe zu schützen. Das zeugt davon, wie unglaublich bequem nur ein paar Jahrzehnte halbwegs stabiler Wirtschaftslage den Menschen machen. Andererseits ist auch die Reaktion der Schweizer Behörden sehr erhellend: Man gibt die Abschusserlaubnis weil diese beiden würkli mega gföhrliche viecher (!!!!) ja eine ernsthafte Gefahr darstellen (im fall!!) und daher eliminiert werden müssen. Die Abschusserlaubnis bezieht sich allerdings nur auf einen Wolf. Und diese "Lösung" zeigt einfach wieder einmal die Tendenz zur feigen Halbherzigkeit, die mir so grausam auf die Nerven geht: Statt sich zu fragen "Wollen wir den Wolf in der Schweiz, ja oder nein?" und die beiden Wölfe entweder abzuschiessen oder sie bleiben zu lassen, schiesst man einen Wolf ab, in der Hoffnung, dass der verbleibende dann schon keine Nutztiere mehr reisst.

Ich fasse zusammen: Die Bergbauern fordern aus Bequemlichkeit den Abschuss beider Wölfe, die Behörden bewilligen ihn, aber nur halb, weil man ja nicht gleich die Tierschützer arg verärgern möchte. Es ist ein weiteres Beispiel des faulen helvetischen Kompromisses, der, als Konzept ohnehin fragwürdig, spätestens dann unhaltbar wird, wenn Mitlebewesen unter der Unfähigkeit der Schweizer, einmal den Mittelweg zu verlassen, leiden müssen.

24. Juni 2010

Der Fusspylz-Friedenspreis

(Dieser Text wurde als Teil eines vor Sportlehrern aufgeführten Comedyprogramms entworfen und ist, da ursprünglich gesprochen, von der Sprache her recht… deutlich und, man wagt es fast nicht zu sagen, politisch stellenweise beinahe ein wenig inkorrekt.)


 

Es freut mich ausserordentlich, die Laudatio für unseren neuen Friedensnobelpreisträger zu halten: Adolf Wichser-Hurensen. Herr Wichser-Hurensen hat fast sein gesamtes Leben damit verbracht, für etwas mehr political correctness und Anstand zu sorgen. Wer klopfte Mao damals auf die Finger, als er in einer Rede sagte, er wolle "die Scheiss-Eierköpfe abmurksen"? Niemand anders als Adolf Wichser-Hurensen, meine Damen und Herren, der auch einen kommunistischen Diktator durch anständiges Zureden dazu bringen kann, seine Forderung zu "Tötet alle Intellektuellen" umzuwandeln. Und wer brachte damals den Internationalen Gerichtshof dazu, den Gebrauch des Ausdrucks "schwuler mongoloider Negerkrüppel" im öffentlichen Raum bei Todesstrafe zu verbieten? Wer formulierte gesellschaftsfähige Versionen wüster Beleidigungen? Niemand anders als Adolf Wichser-Hurensen! Wie würde wohl heute ohne ihn folgendes klingen: "Du der Masturbation zugetaner Sohn einer Kurtisane, der du eine inzestuöse Beziehung mit selbiger pflegst" – nicht auszudenken, meine Damen und Herren, nicht auszudenken!

Adolf Wichser-Hurensen setzte sich auch für die Achtung vor anderer Leute Eigentum als zentraler Bestandteil von Respekt und Anstand ein: Er drohte einmal einem Sprayer, er "reisse [ihm] den Arsch bis zur Fresse" auf, wenn er nicht aufhöre, fremdes Eigentum mutwillig zu beschädigen. Man kann Adolf Wichser-Hurensen diesen unanständigen Ausbruch im Kampf für Anstand nachsehen – bei so viel Zivilcourage darf einem in der Hitze des Gefechts doch einmal etwas rausrutschen!

Wer, ausser Adolf Wichser-Hurensen, hätte so couragiert Noterziehungsmassnahmen ergriffen, als er einen Knaben sah, der seinen Kameraden als "behindert" bezeichnete? Dank Adolf Wichser-Hurensen wird der Mund dieses Jungen niemals wieder jemanden beleidigen – oder irgendwas anderes tun.

Erheben Sie nun Ihre Gläser für Adolf Wichser-Hurensen! Für den Mann, der uns näher zu einer Endlösung in der Frage der politisch Inkorrekten brachte! Zum Wohl!

15. Juni 2010

Die ewige Idiotenparade

Max Göldi ist zurück. Contagiosus von Fusspylz gefällt dies, denn es hat viererlei gute Folgen: Erstens hat sein persönliches Elend ein vorläufiges Ende (bis der Blick versucht, ein Interview mit ihm zu bekommen), zweitens hat die ganze Farce wieder einmal die Notwendigkeit der Eliminierung diktatorischer Regimes wie das Libyens unterstrichen, drittens wurde erneut bewiesen, dass die Schweiz allein international nicht das geringste Gewicht hat. Viertens hat das Medienecho auf Göldis Heimkehr einen Punkt, den ich wiederholt zu erklären versuchte, wunderschön illustriert: Die Schweizer Politik kann man in ihrem derzeitigen Zustand nicht einmal mit einem Stock anfassen, so eklig und lächerlich ist der ganze Zirkus. Meine Lieblingszielscheibe, die bürgerlichen und rechten Parteien, haben sich im Verlauf des Tages erneut als das erwiesen, was sie grösstenteils sind: Beschäftigungstherapien für anderweitig nicht zu beschäftigende, rückgratlose und in beinahe jeder Beziehung unfähige Menschlein, die sich gerne wichtig vorkommen und gross daherreden. Für letzteres bot Mörgelis Kommentar im heutigen Tages Anzeiger ein wunderbares Beispiel. In ihm konnten all jene, denen die Rücksichtsforderungen einer Partei, die vor allem aus heisser Luft bzw. 98% rechtsdrehendem Toilettenspülungswasser (vgl. letzten Eintrag) besteht, an einen auch nur sporadisch kompetenten Bundesrat noch nicht zum Hals heraushängen, können sich Mörgelis Wiederholung des Immergleichen gerne noch einmal antun. Ich werde hier nichts davon wiedergeben.

In der Tagesschau trat heute Luzi Stamm vor das Mikrofon und hatte doch tatsächlich die bürgerlich-rechte Stirn zu sagen, dass sich die Verhältnisse mit Libyen in Zukunft normalisieren werden, jetzt, da Göldi zuhause ist. Kurz zuvor hörte man seinen Mitpolitiker Fehr von der SP sagen, dass man die Botschaft schliessen müsste, um ein Zeichen zu setzen, dass die Schweiz mit einem solchen Staat nichts zu tun haben wolle. Es ist unschwer zu erkennen, wer hier mehr Mut und Konsequenz, auch mehr Mut zur Konsequenz hat. Es ist an sich schon eine Schande, dass der Westen mit einem irren Diktator und seiner kaputten, geisteskranken, degenerierten Sippe überhaupt handelt, Öl hin oder her. Dass man sich nun nach diversen Demütigungen Luzi-SVP-Stamm auch eines letzten Bücklings nicht entschlagen mag, der in der Wiederaufnahme der Beziehungen zu einem Staat besteht, der uns nach allen Regeln der Kunst (und, wenn man sich unsere sogenannten Volksvertreter ansieht, nicht ganz unberechtigt) vorgeführt hat, spricht das nicht gerade für die sonst so selbstherrlich deklarierte "konsequente Haltung" des eher rechten Lagers unserer Clownparade, die sich Politik zu nennen wagt.

Um zu den Stichworten "Clowns" und "Idiotenparade" noch das Thema "UBS" aufzugreifen, möchte ich erneut auf die Tagesschau verweisen: Die PUK wurde im Ständerat torpediert und zwar – GROSSE ÜBERRASCHUNG, die man grossschreiben muss – von den Bürgerlichen und der SVP. Die Linke war die einzige Kraft, die es für nötig hielt, gewisse Finanzverbrecher, Bonusbezüger, Stellenvernichter, Steuerhinterziehungsbeihelfer und Charakterbankrotteure unters Mikroskop zu zerren, um genau zu sehen, wie es um den sogenannten Finanzplatz Schweiz und seine Exponenten wirklich steht. Der Bürgerlichen war das – zweifellos durch den morgendlichen Blick in den eigenen Parteispiegel – dann doch zu eklig. Eigentlich verständlich, wenn man den soeben behaupteten Grund dafür gelten lässt, aber deshalb nicht weniger verachtungswürdig.

Tja. Gestern noch sagte ich noch allen Ernstes, dass ich aufhören wolle, zu wählen. Nun denke ich, dass die SP weiterhin meine Mitleidsstimme bekommen wird, auch wenn sie es nicht einmal fertigbringt, aus einer Wirtschaftskrise politisches Kapital zu schlagen. Wenigstens sehe ich in Leuten wie Herrn Fehr noch Reste eines Rückenskeletts, welches andere sogenannte Politiker aus Bequemlichkeit längst via Darm ausgestossen zu haben scheinen. Oder, wenn ich hier eine anatomische Schlussbehauptung aufstellen dürfte, möglicherweise gar durch den Mund – denn es wird mir (Gründe dafür sind oben ad nauseam zu finden) zunehmend unklar, wo der Verdauungstrakt eines bürgerlichen "Politikers" seinen Ein- oder seinen Ausgang hat.


 

Geschrieben am 14. Juni 2010.

2. Juni 2010

Von Quallen und anderen Wirbellosen

Ja, ich weiss, ich hätte momentan tausend andere Sachen zu tun, als zu bloggen. Da ich heute Morgen allerdings Zeitung las und mir darob fast das Frühstück wieder abhanden (oder abmagen) kam, fühle ich mich verpflichtet, meinen königlichen Senf zu ein paar Sachen hinzuzugeben, die sporadisch auch schon im Blog aufgetaucht sind: Die bürgerliche Mitte, Schweizer Politik im Allgemeinen und das Verhalten im Fall des UBS-Skandals im Speziellen. Alle Zitate sind aus der Aargauer Zeitung vom 2. Juni, Seite 5. Die Rede ist davon, dass zum UBS-Desaster eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) zur Debatte stand. Diese hätte in meinen Augen zweierlei Wirkungen gehabt: Einerseits hätte die ganze Affäre neu aufgerollt werden müssen, andererseits hätte eine genaue Untersuchung sowohl die Politiker verpflichtet, Konsequenzen aus dem Geschehenen zu ziehen, als auch die UBS-Verantwortlichen gezwungen, Rede und Antwort zu stehen oder sich durch allfälliges Schweigen weiter zu diskreditieren. Ausserdem wäre eine PUK und die damit verbundene Medienaufmerksamkeit die ideale Vorbereitung für eine Klage gegen die Semi-Bankrotteure, Milchbüechlibanker und Steuerhinterziehungsförderer gewesen. Die Empfehlung der GPK (Geschäftsprüfungskommission), keine PUK zu bilden, weil dadurch die Sache nicht unbedingt genauer durchleuchtet werden könne, als durch sie selbst (die GPK) bereits geschehen ist, mag als solche stimmen, würde die Sache aber viel zu früh auf sich beruhen und dadurch eventuell im Sand verlaufen lassen.

Soviel zur Situation. Ob eine PUK gebildet wird, entscheidet das Parlament. Das Zünglein an der Waage bildete diesmal die Mitte. Da die FDP ohnehin immer hinter allem steht, was auch nur entfernt nach Banken, Börse und frisch gereinigten Anzügen riecht, lag die Verantwortung bei der CVP. Ja, genau, diese inzwischen halb bedeutungslose und irgendwie schwabbelige, schwer zu definierende Parte irgendwo zwischen rechts und links, deren Positionen nicht einmal sie selber kennt, sondern einfach quallenartig wirbellos durch den trüben Tümpel unserer Politik treibt. Dieser Partei fällt nun nichts besseres ein, als die Möglichkeit einer PUK zu torpedieren, indem sie ihren Franktionschef sagen lässt, es gebe "keine sachlichen Gründe" für eine PUK und dass man lieber die GPK-Empfehlungen "sofort an die Hand nehmen" solle. Dabei versteckt man sich feige hinter der Möglichkeit einer Zivilklage gegen die Verantwortlichen, die besser realisiert werden könnte, wenn man den shitstorm, wenn er einmal begonnen hat, nicht einfach in Ruhe lässt.

Es bleibt zu sagen, dass die Polarisierung der Schweizer Politik kein Zufall ist: Mit einer solchen Mitte sind Links- und Rechtsrutsche zu erwarten. Es scheint ein ganz grundsätzliche Voraussetzung für Politiker – und hier ist nicht nur die Mitte gemeint – zu sein, dass man sich auch rückwärts verbiegen und seine Meinung so dem Wind, der jeweils gerade weht, anpassen kann. Rückgrat wäre als hinderlich, Grundsätze und Prinzipien geradezu vernichtend. Jedoch nur die Mitte – in diesem Fall die CVP – bringt es fertig, die Anforderungen an Rückenknochenfreiheit nicht nur zu erfüllen wie die anderen Parteien, sondern sie zu übertreffen. Sie ähnelt damit den Quallen: 98% Wasser, praktisch durchsichtig, zeigt sehr selten Farbe, hat nur ein minimales Nervensystem, von einem Hirn ganz zu schweigen, schwabbelt und blubbert ein wenig im Meer herum, schlägt selten aus eigenem Antrieb eine neue Richtung ein, es sei denn, es befindet sich Nahrung oder sonstwas Nützliches in der Nähe. Und genau bei letzterem hat sich unsere bürgerliche Mitte hoffentlich getäuscht: Sie hätte es schon lange verdient, in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abzusinken, um etwas Neuem Platz zu machen, das dem Hickhack zwischen Links und Rechts ein Ende machen könnte. Vielleicht. Anderes Politpersonal, vielleicht für einmal mit zwei, drei Knochen im Leib, wäre natürlich auch nicht schlecht.

13. Mai 2010

FALSCH!!!!!!!!



Jaja. Das kennen wir. Die Spezies Mensch fühlt sich sooo gemein behandelt, weil sie jetzt nicht mehr Krone der "Schöpfung" sein darf. Wir Armen. Aber die Darstellung ist in der Tat falsch! Ich habe mir die Freiheit genommen, sie zu korrigieren: