[Ich demonstriere diese Art des Briefeschreibens an einem konkreten Beispiel: Ein Kunde hat ein Brötchen in einem Supermarkt gekauft. Dieses war ein klein wenig zu trocken. Er reagiert also mit der gebotenen Empörung, ohne dabei die Grenzen der Verhältnismässigkeit und der von der brieflichen Etikette geforderte Höflichkeit zu verlassen.]
Sehr geehrter Frau Filialleiterin/Herr Filialleiter,
zu meiner grossen Enttäuschung musste ich feststellen, dass das Brötchen, welches ich vorgestern um 11:53 in Ihrem Geschäft erwarb, ganz und gar nicht meinen geschmacklichen Ansprüchen genügte. Es kann natürlich passieren, dass ein Brötchen etwas zu lange liegen bleibt, das verstehe ich ja. Dass es nicht passieren sollte, ist klar – denn wer wäre auch schon daran interessiert, dass von der minderwertigen Ware, die man verkauft, darauf geschlossen wird, dass die verkaufende Person und Unternehmung, der Hersteller des Produkts und alle damit verbundenen Menschen ebenfalls minderwertig sind? Ich meine, Sie wollen ja keine Kunden verlieren, indem Sie wie minderwertiger, erbärmlicher, verachtenswerter Abfall wirken, nicht wahr? Falls dieser Brief etwas zu persönliche Züge annehmen sollte, so sind allein Sie bzw. Ihre nationalsozialistisch organisierte Firma dafür verantwortlich – Sie haben mir diese vertrocknete Hefe-Kriegserklärung verkauft! Sie müssen sich auch gar nicht wundern, dass Sie am nächsten Tag Ihr Auto mit Kuhfäkalien bedeckt und ausgebrannt vorfanden, Sie wissen so gut wie ich, dass Sie und Ihresgleichen es nicht anders verdienen.
Im Bewusstsein, dass Sie eigentlich das Papier, das ich gerade an sie verschwende, nicht wert sind, möchte ich Ihnen in aller gebotenen Höflichkeit noch mitteilen, dass Ihre Mutter eine im Rotlichtmilieu tätige Person, Ihr Vater, genau wie Sie, von braunem Gedankengut durchsetzt ist und ich nicht übel Lust hätte, meine Schuhe, mit denen ich zuvor durch Hundekot gewatet bin, an Ihrem Gesicht abzuwischen, Sie unangenehme(r) Zeitgenosse/Zeitgenossin, Sie!
Mit der Ihnen gebührenden Hochachtung,
Ein verärgerter Kunde
PS: Haben Sie sich schon gefragt, warum die unterste Schublade Ihres Schreibtischs seit gestern, 15:43, so komisch riecht?
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