
Facebook-Anzeigen verhelfen mir endlich zu Schönheit und Stil.
- Ich werde muskulös, trainiere, bis ich die von der Konvention geforderte Gorillabreite (auch: "athletisches Äusseres", "sportlicher Oberkörper") erreicht habe und genau so aussehe, wie das zuckende Zeug unter dem hautengen roten T-Shirt in der Anzeige. Dabei lerne ich auch, mich richtig zu ernähren und zum Beispiel das Weicheier-Getränk Tee durch isotonische und, wenn möglich, eiweisshaltige Kraftnahrung zu ersetzen. Dass ich mich wie eine Hochleistungs-Milchkuh ernähre und wie ein Ochse für meine Urzeitfigur schufte führt allerdings offensichtlich zum Verlust jedes Gefühls für Gross- und Kleinschreibung – ein geringes Opfer, wenn man bedenkt, dass mir mit dem erarbeiteten Aussehen alle Affenweibchen der Welt zu Füssen liegen werden.
- Ich gebe dem infamen Trend zur Ganzkörper-Haarentfernung nach und brenne mir, um mir zumindest einen Anschein von Zivilisation zu geben, jegliche Behaarung mit dem Laser-Epiliergerät weg. Dann sehe ich zwar aus wie ein aufgedunsenes Gorillababy, weche aber dafür bei der zuvor erwähnten Zielgruppe möglicherweise den Mutterinstinkt, was meinen Annäherungsversuchen (bzw. "Heranschleifungsversuchen" – solche Muskelmasse will erst mal bewegt werden!) förderlich wäre.
- Ich kleide mich neu ein, ganz nach aktuellen modischen Massstäben: Jede Faser meines Oberschenkels (und aller anderen Körperteile) soll sich abzeichnen, mein V-Ausschnitt soll bersten über meiner hochgezüchteten Brustmuskulatur, das eine Härchen am linken Bein, das zu entfernen ich vergass, soll als vergleichsweise gigantische Ausbeulung im weissen (oder pink-hellgelben) Stoff meiner Jeans hervorquellen. Schön, nicht?
Eine lebhafte Fantasie kann auch zum Fluch werden.
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