Max Göldi ist zurück. Contagiosus von Fusspylz gefällt dies, denn es hat viererlei gute Folgen: Erstens hat sein persönliches Elend ein vorläufiges Ende (bis der Blick versucht, ein Interview mit ihm zu bekommen), zweitens hat die ganze Farce wieder einmal die Notwendigkeit der Eliminierung diktatorischer Regimes wie das Libyens unterstrichen, drittens wurde erneut bewiesen, dass die Schweiz allein international nicht das geringste Gewicht hat. Viertens hat das Medienecho auf Göldis Heimkehr einen Punkt, den ich wiederholt zu erklären versuchte, wunderschön illustriert: Die Schweizer Politik kann man in ihrem derzeitigen Zustand nicht einmal mit einem Stock anfassen, so eklig und lächerlich ist der ganze Zirkus. Meine Lieblingszielscheibe, die bürgerlichen und rechten Parteien, haben sich im Verlauf des Tages erneut als das erwiesen, was sie grösstenteils sind: Beschäftigungstherapien für anderweitig nicht zu beschäftigende, rückgratlose und in beinahe jeder Beziehung unfähige Menschlein, die sich gerne wichtig vorkommen und gross daherreden. Für letzteres bot Mörgelis Kommentar im heutigen Tages Anzeiger ein wunderbares Beispiel. In ihm konnten all jene, denen die Rücksichtsforderungen einer Partei, die vor allem aus heisser Luft bzw. 98% rechtsdrehendem Toilettenspülungswasser (vgl. letzten Eintrag) besteht, an einen auch nur sporadisch kompetenten Bundesrat noch nicht zum Hals heraushängen, können sich Mörgelis Wiederholung des Immergleichen gerne noch einmal antun. Ich werde hier nichts davon wiedergeben.
In der Tagesschau trat heute Luzi Stamm vor das Mikrofon und hatte doch tatsächlich die bürgerlich-rechte Stirn zu sagen, dass sich die Verhältnisse mit Libyen in Zukunft normalisieren werden, jetzt, da Göldi zuhause ist. Kurz zuvor hörte man seinen Mitpolitiker Fehr von der SP sagen, dass man die Botschaft schliessen müsste, um ein Zeichen zu setzen, dass die Schweiz mit einem solchen Staat nichts zu tun haben wolle. Es ist unschwer zu erkennen, wer hier mehr Mut und Konsequenz, auch mehr Mut zur Konsequenz hat. Es ist an sich schon eine Schande, dass der Westen mit einem irren Diktator und seiner kaputten, geisteskranken, degenerierten Sippe überhaupt handelt, Öl hin oder her. Dass man sich nun nach diversen Demütigungen Luzi-SVP-Stamm auch eines letzten Bücklings nicht entschlagen mag, der in der Wiederaufnahme der Beziehungen zu einem Staat besteht, der uns nach allen Regeln der Kunst (und, wenn man sich unsere sogenannten Volksvertreter ansieht, nicht ganz unberechtigt) vorgeführt hat, spricht das nicht gerade für die sonst so selbstherrlich deklarierte "konsequente Haltung" des eher rechten Lagers unserer Clownparade, die sich Politik zu nennen wagt.
Um zu den Stichworten "Clowns" und "Idiotenparade" noch das Thema "UBS" aufzugreifen, möchte ich erneut auf die Tagesschau verweisen: Die PUK wurde im Ständerat torpediert und zwar – GROSSE ÜBERRASCHUNG, die man grossschreiben muss – von den Bürgerlichen und der SVP. Die Linke war die einzige Kraft, die es für nötig hielt, gewisse Finanzverbrecher, Bonusbezüger, Stellenvernichter, Steuerhinterziehungsbeihelfer und Charakterbankrotteure unters Mikroskop zu zerren, um genau zu sehen, wie es um den sogenannten Finanzplatz Schweiz und seine Exponenten wirklich steht. Der Bürgerlichen war das – zweifellos durch den morgendlichen Blick in den eigenen Parteispiegel – dann doch zu eklig. Eigentlich verständlich, wenn man den soeben behaupteten Grund dafür gelten lässt, aber deshalb nicht weniger verachtungswürdig.
Tja. Gestern noch sagte ich noch allen Ernstes, dass ich aufhören wolle, zu wählen. Nun denke ich, dass die SP weiterhin meine Mitleidsstimme bekommen wird, auch wenn sie es nicht einmal fertigbringt, aus einer Wirtschaftskrise politisches Kapital zu schlagen. Wenigstens sehe ich in Leuten wie Herrn Fehr noch Reste eines Rückenskeletts, welches andere sogenannte Politiker aus Bequemlichkeit längst via Darm ausgestossen zu haben scheinen. Oder, wenn ich hier eine anatomische Schlussbehauptung aufstellen dürfte, möglicherweise gar durch den Mund – denn es wird mir (Gründe dafür sind oben ad nauseam zu finden) zunehmend unklar, wo der Verdauungstrakt eines bürgerlichen "Politikers" seinen Ein- oder seinen Ausgang hat.
Geschrieben am 14. Juni 2010.
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