Es gibt Sachen, die man morgens ohne Koffein und auf leeren Magen einfach nicht verträgt. Zum Beispiel die Nachricht "Mer händ de wolf abgschosse, im fall!!!!!". Man stelle sich mal vor: Ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeit hatte es noch überall Wölfe. Der stramme Eidgenoss schützte damals auch seine Herden ein wenig besser, indem er vielleicht einen oder zwei Hunde zur Bewachung einsetzte. Damals waren es, wohlgemerkt, noch ganze Wolfrudel, die das Land durchstreiften. Wenn allerdings in der heutigen Schweiz zwei (!) Wölfe ein paar Schafe/Rinder etc. reissen, weil deren Halter unfähig sind, ihre Tiere gegen zwei menschenscheue Wölfe, die sich beim Geruch von Hunden schon wieder verziehen, so sagt uns das einiges über den Zustand dieses Landes bzw. seiner Bürger. Einerseits will der moderne Schweizer Bergbauer gute, frische Alpenmilch (oder Lammfleisch aus Schweizer Bergen etc.) verkaufen, ist andererseits aber nicht mehr in der Lage, seine Tiere gegen zwei Wölfe zu schützen. Das zeugt davon, wie unglaublich bequem nur ein paar Jahrzehnte halbwegs stabiler Wirtschaftslage den Menschen machen. Andererseits ist auch die Reaktion der Schweizer Behörden sehr erhellend: Man gibt die Abschusserlaubnis weil diese beiden würkli mega gföhrliche viecher (!!!!) ja eine ernsthafte Gefahr darstellen (im fall!!) und daher eliminiert werden müssen. Die Abschusserlaubnis bezieht sich allerdings nur auf einen Wolf. Und diese "Lösung" zeigt einfach wieder einmal die Tendenz zur feigen Halbherzigkeit, die mir so grausam auf die Nerven geht: Statt sich zu fragen "Wollen wir den Wolf in der Schweiz, ja oder nein?" und die beiden Wölfe entweder abzuschiessen oder sie bleiben zu lassen, schiesst man einen Wolf ab, in der Hoffnung, dass der verbleibende dann schon keine Nutztiere mehr reisst.
Ich fasse zusammen: Die Bergbauern fordern aus Bequemlichkeit den Abschuss beider Wölfe, die Behörden bewilligen ihn, aber nur halb, weil man ja nicht gleich die Tierschützer arg verärgern möchte. Es ist ein weiteres Beispiel des faulen helvetischen Kompromisses, der, als Konzept ohnehin fragwürdig, spätestens dann unhaltbar wird, wenn Mitlebewesen unter der Unfähigkeit der Schweizer, einmal den Mittelweg zu verlassen, leiden müssen.
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